Werkblatt - Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik

 

«Faire travailler Morgenthaler» *

Kongress des Psychoanalytischen Seminars Zürich
anlässlich des 20. Todestages von Fritz Morgenthaler

*  Morgenthaler zum Arbeiten bringen,  frei nach Jean Laplanche, Die unvollendete kopernikanische Revolution. dt. Übersetzung, Frankfurt: Fischer, 1996, S. 151f.:

Freud zum Arbeiten bringen oder, nach einer anderen Formulierung, "Freud mit Freud deuten", das bedeutet nicht, bei ihm Belehrung zu suchen. Weniger noch bedeutet es Orthodoxie. Auch heisst es nicht, einen Freud zuungunsten eines anderen auswählen oder hier und dort eine Formulierung herausfischen, die mir gerade passt. Freud zum Arbeiten bringen, das bedeutet, an ihm das, was ich einen Anspruch nenne, einzulösen, den Anspruch, der sich aus seiner Entdeckung herleitet, der ihn vorantreibt, ohne ihm stets den Weg zu weisen, der ihn also in Sackgassen oder auf Irrwege treiben kann. Das heisst folglich, seinen Gedankengang wiederaufnehmen, sich sein Haltung zu eigen machen, indem man ihn begleitet, aber auch kritisiert, indem man andere Wege sucht; aber eben angetrieben von einem Anspruch, der dem seinen gleicht.

Im Oktober 2004 waren es zwanzig Jahre her, dass Fritz Morgenthaler unerwartet gestorben ist. Er prägte nicht nur das Psychoanalytische Seminar Zürich, sondern wirkte mit seinen Schriften weit über Zürich hinaus. Er hat in den „Kerngeschäften“ der Psychoanalyse entscheidende Beträge geleistet; einige sind bis heute wegweisend geblieben.Was er uns als Theoretiker der psychoanalytischen Praxis hinterlassen hat, gleicht einer Baustelle. Auf Freudschen Fundamenten sind Mauern errichtet, Leitungen gelegt und ein Dachstuhl konstruiert worden. Das Haus ist aber offensichtlich unvollendet. Es herrscht an vielen Stellen Durchzug und regnet herein. Manche Verbindungen zu anderen Gebäuden innerhalb der Psychoanalyse sind unterbrochen. Man kann sich da nicht so einfach häuslich einrichten. Dabei hat er mitten im Kerngeschäft der Psychoanalyse entscheidende Beträge geleistet. Keiner hat wie er gezeigt, dass die Theorie der Technik eigene Bewegungsgesetze hat und nicht aus der Metapsychologie abzuleiten ist. Ferner hat er die psychoanalytische Auffassung von Sexualität auf eine dialektische Grundlage gestellt und den Umgang mit Träumen auf eine neue Ebene gehoben.

Ralf Binswanger

 

Fritz Morgenthaler beim Zeichnen eines Panda-Bären im Zoo von Nanking
Foto: Ruth Morgenthaler, 1975

Um die Diskussion über seine originären Beiträge wieder zu aktivieren, veranstaltet das Psychoanalytische Seminar Zürich (PSZ) und nahe stehende Institutionen aus Bern, Salzburg und Graz im Frühjahr 2005 diesen Kongress.

Ort:            Zürich, Volkshaus (am Helvetiaplatz)
Datum:      Donnerstag 3. bis  Samstag 5. März 2005
Beginn:      Donnerstag, 3. März 2005, 13.30 Uhr.

Die thematischen Vorgaben entsprechen den oben erwähnten Kerngeschäften:

  • für Donnerstag: Traum

  • für Freitag: Technik; zusätzlich spezielle Themen wie Ethnopsychoanalyse u.a.

  • für Samstag: Sexualität.

Der Kongress organisiert sich in vier Formen:

  • 3 Hauptvorträge (bereits zugesagt haben Heinrich Deserno und Wolfgang Mertens)

  • 4 Symposiumsblöcke mit je 3-5 Parallelsitzungen,

  • 3 Blöcke Werkbefragungen mit je 5-8 parallelen Arbeitsgruppen und

  • 2 - 3 Tagesplena.

Das genaue Programm finden Sie auf der Website des Psychoanalytischen Seminars Zürich, Quellenstrasse 25, CH-8005 Zürich, e-mail:

Der Psychosozial-Verlag wird Morgenthalers vergriffene Schriften bis zum Kongreß schrittweise neu herausgeben, beginnend mit Homosexualität, Heterosexualität, Perversion im Führjahr 04.

Auf diesem Teil der Website publizieren wir Beiträge, die versuchen, an der Baustelle weiter zu arbeiten. Damit wollen wir auch inhaltliche und organisatorische Impulse für den Kongress geben.

Unterlagen für die Vorbereitung zur Tagung:

bisherige Werkblatt - Beiträge zum "Projekt Morgenthaler":
  • Werkblatt-Themenheft: "Der Traum" herausgegeben von Ulrike Körbitz, Graz
  • Ralf Binswanger, Zürich und Ulrike Körbitz, Graz im Gespräch über Fritz Morgenthaler. In: Werkblatt Nr. 45
    Download als pdf-Datei (11,1 KB) oder Online
  • Ulrike Körbitz, Graz: ...im Fluß der emotionalen Bewegung. Fritz Morgenthaler: Technik. Zur Dialektik der psychoanalytischen Praxis. In: Werkblatt Nr. 50
  • Ralf Binswanger, Zürich: LESEHILFE zu Fritz Morgenthaler: Technik. Zur Dialektik der psychoanalytischen Praxis.
    Download als pdf-Datei (202 KB) oder Online
  • Ralf Binswanger, Zürich: Zur Praxis der Dialektik in der Psychoanalyse. In: Werkblatt Nr. 51
  • Aus welchen Quellen schöpfte Fritz Morgenthaler?
    Ein Gespräch von Paul Parin, Jan Morgenthaler und Ralf Binswanger. In: Werkblatt Nr. 53
    Die Rohfassung ist auch Online verfügbar: Download als pdf-Datei (62,7 KB) oder Online